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Der Tote auf der PSI

Messestand

PSI in Düsseldorf endlich wieder live – Ein sehr persönlicher Messebericht.

Fragen und Skepsis

Die Leitmesse der Werbeartikelwirtschaft, das Mekka der Werbeartikelhändler und -hersteller, öffnete 2023 zum erstenmal nach 2 Jahren wieder die Pforten für ein Live-Publikum. Im Vorfeld stellten sich mir als Besucher einige Fragen. Wer würde noch da sein, oder besser: Wen würde man nicht mehr sehen, weil er andere Prioritäten setzt, oder gar Corona und Energiekrise nicht überlebt hat? Ist diese Messe immer noch der Magnet und Ideengeber, der sie immer war? Welches Maß an Zuversicht strahlt eine der Schlüsselveranstaltungen der Branche heute noch aus? Reicht es etwa für frischen Mut – oder gar soweit, daß man dem Teufel in die Suppe spucken möchte? Würde man für sich neue Realitäten erkennen müssen, um sich selbst anschließend komplett neu zu erfinden? Der strömende Regen, der mich auf der Hinfahrt begleitet hat, stand sinnbildlich für die Einstimmung auf ein großes Reinemachen im eigenen Kopf.

PSI Düsseldorf 2023 Messebericht – Der erste Eindruck

Die Messe Düsseldorf verfügt über 20.000 Parkplätze. Der Weg vom Auto zur Ausstellung kann also weit sein. So nah konnte ich mich dem Eingang mit dem Auto in den vergangenen 14 Jahren allerdings noch nie nähern. Rein in den Shuttlebus, 2min später stand ich vor Halle 9. Die Formalitäten waren im Gegensatz zu früheren Jahren im Eiltempo zu erledigen. Es war alles bereitet – der Messeveranstalter hatte eine Situation „wie immer“ geschaffen. Meine Bedenken waren spätestens am Ende der Rolltreppe, kurz vor dem Drehkreuz verflogen.

Es war bunt wie immer, es tönte wie immer. Auch die Duftnote aus frischer Druckfarbe, Papier, viel Publikum, und neu: Jute! war fast dieselbe. Etwas hilflos suchte ich nach den Standnummern. Ich fand sie aufgeklebt auf dem Fußboden.

Es kann herausfordernd sein, sich an den vorab zurechtgelegten Besuchsplan zu halten, wenn von allen Seiten auf einen eingeredet wird. Jeder Anbieter hält sich für den Nabel der Welt und versucht das auch in 5 Sekunden rüberzubringen. Es gilt, sich stets zu reflektieren und die Produktivität hochzuhalten. Immer wieder schaute ich auf meinen Laufzettel und steuerte dann planmäßig den nächstgelegenen Kandidaten an, dessen Sortiment mich wirklich interessierte. Es sollten an diesem Tag ca. 40 Anlaufstellen werden.

PSI Düsseldorf 2023 Messebericht – Anders, aber nicht weniger attraktiv

Ich habe unterwegs vieles gesehen und wahrgenommen. Kleinere Stände zum Beispiel. Einschlägige Kandidaten, die einmal 150qm Fläche belegt hatten, kamen plötzlich mit der Hälfte aus. Andere hatten zugunsten anderer Messen umdisponiert und verzichteten ganz auf eine Präsenz. Teils hatten regionale Anbieter sich zusammengetan und Gemeinschaftsstände kreiert. Tatsächlich war die PSI, die ich als Veranstaltung über 4-5 Hallen kenne, auf 2 Hallen geschrumpft Aber: Endlich wurden auch die Nischenanbieter wahrgenommen, die mit Mini-Ständen und Bannern ein hochspezialisiertes Angebot vertreten. Die Wege waren angenehm kurz.

Bedruckte Fußmatten, Regenschirme, Weihnachtskugeln. Schreibgeräte, Arbeitskleidung, Werkzeug. Süßwaren, Veranstaltungszubehör und Druck- bzw. Lasermaschinen. Alles gesehen, alles geprüft und, wo möglich, immer Muster für meine Kunden eingesackt. Zu den einzelnen Artikeln lesen Sie demnächst an dieser Stelle mehr.

Eine besondere Begegnung

Und dann war da noch dieser Stand, dessen einziger Verkäufer mir von allen Besuchen am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben ist.

Ein gelb-schwarzes Plakat mit einer Wasserwaage drauf machte mich neugierig. Ein Aussteller aus dem Ruhrgebiet. Die Besonderheit: Diese Wasserwaage hat ausklappbare “Flügel“. Das heißt, der Nutzer kann über Eck arbeiten; er kann Lot und Waage gleichzeitig messen. Tolle Idee!

Ich fragte nach einem Demovideo. Der Verkäufer bedauerte. Mutig bat ich ihn, mir das Teil zu demonstrieren, während ich ihn filme. Zu meiner Überraschung willigte er spontan ein.

Meine Frage nach einem OK für die Veröffentlichung beantwortete er mit einem Lächeln. Dann wurde er sentimental „Weißt Du, normalerweise würde ich hier jetzt nicht stehen. Eigentlich wäre das der Job von Karl Heinz gewesen, ich bin ja nur sein Magnetlieferant. Wir haben das Produkt zusammen entwickelt und diese Messe zusammen geplant und bezahlt. – Ich habe Karl Heinz im letzten Jahr verloren. Er ist verstorben.“

Er redete weiter: „Es ist mir sch…egal was Du mit dem Video machst. Veröffentliche es meinetwegen, ich habe nichts dagegen. Es gibt wichtigeres, als Erlaubnisse und Verbote. Ich würde mir wünschen, ich hätte meinen Freund wieder!“

Auch in dieser Firma hatte man sich also in den letzten Monaten mit nichts anderem beschäftigt, als sich nach der Decke zu strecken. Fast hatte man es geschafft und schmiedete große Pläne, bevor das Drehbuch umgeschrieben werden mußte.

Damit hatte ich nicht gerechnet

Etwas ergriffen und verwirrt setzte ich meinen Weg fort. Das Ereignis beschäftigte mich noch ein paar Minuten weiter. Die Abgrenzung von dieser emotionalen Geschichte war schwierig. Er hatte mich mittenrein gezogen – und ich sinnierte über die Irrungen und Wirrungen des Lebens.

Die Verwirrung wurde noch etwas größer, als ich kurz danach an der „PSI FAN CORNER“ vorbeikam. Dort propagierte und zelebrierte man Werbemittel für die in diesem Jahr anstehende Fußball-WM der Frauen – laut, bunt, mit Torwandschießen und kreischenden Mädchen. Der Kontrast hätte nicht härter ausfallen können. Leben und Tod hatten sich innerhalb von 5 Minuten bei mir vorgestellt. Ich brauchte eine Pause.

Ich begab mich wieder an den Ausgangspunkt der Veranstaltung. Noch einmal ging ich die Gänge ab und stellte sicher, daß ich jeden Anbieter beachtet hatte, den ich sehen wollte. Nach guten sechs Stunden war meine Energie aufgebraucht.

Nachlese

Am nächsten Tag, zuhause im Büro. Ich sichte die Unterlagen und versuche mich am PSI Düsseldorf 2023 Messebericht. Ich erinnere mich an die eine oder andere Anekdote: Was ist hängengeblieben? Alte Bekannte haben nicht geschlafen und ihr Angebot weiterentwickelt. Die phantasievolle Art und Weise, wie man das Thema „Nachhaltigkeit“ an allen Ecken und Enden aufgreift, ist beeindruckend. Es läßt mich vermuten, daß die Pläne dafür längst in den Schubladen lagen, aber niemand sich getraut hatte den Anfang zu machen. Der jetzt eingeschlagene Weg ist goldrichtig und wird sich als Triebfeder der Nachfrage einer neuen Kundengeneration erweisen. Neue Lieferanten erkennen Ihre Chance und bereichern das Komplettsortiment. Für den einen oder anderen hoffe ich, daß er seinen Entwicklungsvorsprung in bare Münze verwandeln kann und uns länger erhalten bleibt. Bei wieder anderen bin ich sicher.

Eine meiner wichtigen Erkenntnisse war allerdings, auch mal 5 gerade sein lassen zu sollen. So wie Ülfet mit den Wasserwaagen. Gar kein so schlechtes Rezept für unser aller Geschäftstätigkeit. Er hat mich nachhaltig daran erinnert, um was es beim Werben des Lieferanten um die Gunst des Kunden auch geht: Das Begründen und Pflegen von Vertrauensverhältnissen, aus denen Freundschaften entstehen können und unter deren Dächern der Erfolg wächst.

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